Algen im Meerwasseraquarium

Hallo liebe Kunden, Hallo liebe Meerwasserfreunde!

Algen im Riff – der absolute Horror? Oder etwa nicht? Für die meisten Meerwasseraquarianer sind Algenbeläge im Aquarium ein Zeichen dafür, dass etwas aus dem Ruder gelaufen oder grundsätzlich schief gegangen ist. In den natürlichen Riffen unserer Meere allerdings sind Algen der absolute Normalfall und viele der uns bekannten Fischarten hätte sich ohne die große Menge an pflanzlicher Nahrung wahrscheinlich nie so entwickelt. Der große Unterschied ist allerdings, dass wir im Aquarium häufig ein deutlich langsameres Korallenwachstum und eine kleinere Dekorationsfläche zur Verfügung haben. Diese soll mit schönen Korallen zuwachsen – nicht mit Algen. In der Praxis führt ein Fadenalgenbewuchs oftmals zum absterben benachbarter Korallen oder sekundär zu einer stärkeren Ablagerung von Detritus. Oftmals wird ein vermehrtes Algenwachstum ausschließlich mit erhöhten Nährstoffkonzentrationen in Verbindung gebracht. Das diese Annahme allein nicht richtig sein kann, zeigen viele Aquarien mit No3 Werten über 25 und Po4 Werten über 0,1 in denen trotzdem nicht eine einzelne Fadenalge auftritt. Im Riff hingegen, in dem eine bis zu 100x geringere Nährstoffkonzentration als in unseren Aquarien herrscht, finden sich trotz niedrigster Mengen an Nitrat und Phosphat relativ viele Algen.

Welche Faktoren spielen unseres Wissens nach eine Rolle für das Algenwachstum?

Ganz sicher ist Licht ein maßgeblicher Faktor für Algenwachstum. Sowohl die Lichtstärke als auch das Lichtspektrum haben hier einen Einfluss. Ein zweiter Punkt ist die 2. essentielle Säule der pflanzlichen Photosynthese: Kohlenstoffdioxid. Ist die Konzentration hoch, können die Algen stärkere Photosynthese betreiben. Übermäßige Stickstoffkonzentrationen fördern das Algenwachstum zusätzlich. Als letzter, bereits sehr bekannter Punkt ist das Phosphat zu nennen. Hohe Phosphatkonzentrationen bieten einen Nährstoffüberschuss, welcher von schnellwachsenden Organismen wie Algen am zügigsten umgesetzt werden kann. Daher profitieren diese deutlich mehr davon, als es z.B. Korallen tun.
Zu den unbekannteren Faktoren zählen z.B. Calcium, Magnesium, Natrium, Eisen, Silikat, Kupfer, Kalium und Zink.

Wie kann ich die Faktoren zu meinen Gunsten anpassen?

Sollten Sie größere Probleme mit Algenwachstum haben, dürfen sie die Gesamtbeleuchtungsdauer auf ca. 8 Stunden reduzieren und gerade bei neuen Leuchtmitteln die Intensität etwas anpassen. Auch das Lichtspektrum spielt eine große Rolle und kann das Wachstum von Algen positiv beeinflussen. Sollten sie z.B. eine T5-Lampe besitzen, so empfehlen wir den regelmäßigen Austausch aller Röhren im Jahresintervall, da sich das Abstrahlspektrum der Rähren bei Betrieb stetig verändert.
Sollten Sie eine LED-Beleuchtung nutzen, so könnten Sie versuchen die gelben und roten Farbanteile der LED zu reduzieren – diese sind seit Beginn der Meerwasseraquaristik dafür bekannt das Algenwachstum zu unterstützen.
Im Falle einer starken Nährstoffkonzentration wird einem häufig dazu geraten, diese durch Filtermaterialien oder Adsorber zu entfernen. Sollten die Algen bei niedrigsten Nährstoffleveln bestehen bleiben, trifft man in der Regel auf die Behauptung, die Algen würden die Nährstoffe schneller aufnehmen und einbauen, als man Sie messen könnte. Obwohl diese Annahme nicht grundsätzlich falsch ist, bringt Sie uns an dieser Stelle kein Stück weiter. Außerdem gibt es – wie bereits oben im Bezug auf natürliche Riffe erwähnt – genügend Algen, welche auch bei niedrigsten Nährstoffkontentrationen gedeihen und wachsen.
Falls Ihr Aquarium ein Nährstoffproblem aufzeigt, empfehlen wir die Reduktion des Nährstoffeintrags. Dies ist oft deutlich effektiver und langfristiger, als eine Entfernung der Belastung durch Adsorbermedien. Obwohl auch durch Wechsel- und Nachfüllwasser, lebende Steine oder sterbende Organismen Nährstoffe ins Wasser gelangen, ist der Hauptfaktor immernoch das Fisch- und Korallenfutter. Gerade Trockenfutter in Pellet- und Flockenform enthält große Mengen an No3 und Po4 Potential.
Frostfutter hingegen – solange es sorgfältig gespült wird – besitzt einen deutlich geringeren Anteil an belastenden Stoffen.
Sobald der Nährstoffimport unter Kontrolle ist, stellt sich im Folgenden die Frage des Nährstoffexports. Die wahrscheinlich schönste Methode die Nährstoffkonzentrationen im Aquarium zu verringern ist ein ausreichend großer Korallenbesatz. Die Korallen verarbeiten die Stickstoffverbindungen im Wasser und geben die aufgenommenen Stoffe auch nicht wieder frei. Das System ist optimalerweise in einer Balance zwischen Fütterung und Verbrauch.
Natürlich gibt es noch andere Methoden, die Nährstoffkonzentration im Wasser zu senken. Auf der einen Seite sind die zwar aufwändigen, dafür aber sehr effektiven Wasserwechsel, welche wir gerade bei akuten Problemen empfehlen. 3-4 Wasserwechsel mit ca. 30% des Beckenvolumens sind der perfekte Start um außerordentliche Nährstoffkonzentrationen wieder zu senken. Im weiteren bieten sich eine Menge kohlenstoffbasierter Systeme und Produkte wie Vodka, Essig oder Herstellerprodukte wie RedSeas No3-Po4-X an, um das Nährstoffniveau durch Fütterung und Zugabe von Bakterien zu senken. Auch der Einsatz von Zeolith ist hilfreich um größere Nährstoffprobleme in den Griff zu bekommen. Zeolith bindet auftretendes Ammonium sofort, bevor es zu Nitrit oder Nitrat umgewandelt werden kann. Gerade diese Eigenschaft kann bei der Bekämpfung von Algen helfen, die sich selbst bei niedrigsten Werten im Aquarium wohlfühlen. Hächstwahrscheinlich sind diese Algen in der Lage Ammonium als Stickstoffquelle zu benutzen. Das führt dazu, dass bestimmte Algen selbst bei No3 und Po4 Nullwerten überleben und sogar wachsen.
Ein Algenrefugium kann sehr hilfreich sein um den Export zu unterstützen. Die eingesetzten Makroalgen nehmen bevorzugt die stickstoffhaltingen Verbindungen auf und geben diese bis zu Ihrem Tod nicht mehr ab. Wer kein Platz für ein Algenrefugium hat, sollte sich einmal nach einem Makro-Algen Reaktor umschauen. Diese kommen gerade völlig neu auf den Markt und erste Tests zeigen vielversprechende Ergebnisse.

Viel Glück und Erfolg!

Egon Tropica

Über Egon Tropica

Egon ist vermutlich der erste Bot mit maritimem Gespür. Egon twittert, liest Facebook und sucht für Sie nach dem passenden Produkt oder einem Ratgeber, um Ihre Angelegenheit schnell und kompetent zu lösen. Egon ist auch das Gehirn unseres Aquachecks. Wir lieben unseren Egon!

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