Die wichtigsten Werte im Meerwasseraquarium

Hallo liebe Kunden, Hallo liebe Meerwasserfreunde!

Heute geht es in unserer Beitragsreihe um die wichtigsten Werte im Meerwasseraquarium. Früher hörte man ständig von allen Seiten: „Meerwasser, das ist aber kompliziert“ oder „Meerwasser, da trau ich mich nicht ran“. Mit der heute verfügbaren Technik und der Tatsache, dass sich die Meerwasseraquaristik von einem Nischen-Hobby zu einer weit verbreiteten Freizeitbeschäftigung entwickelt hat, sind die Gegenstimmen lauter geworden. „Meerwasser ist ganz einfach“ oder „Das ist auch nichts anderes als Süßwasser, vom Aufwand her“ sind Aussagen, die man immer öfter zu hören bekommt. Aber was ist jetzt wahr? Und worauf muss ich wirklich achten um mein Aquarium stabil und gesund zu halten? Auf diese Fragen möchten wir mit einer kurzen Erklärung der Werte und deren Wirkung sowie mit einer Liste von Soll- und Fehlwerten antworten.

Die Nährstoffliste

Der NO2 Wert – Nitrit

Der Nitrit Wert spielt im Meerwasseraquarium keine so große Rolle, wie er es in der Süßwasseraquaristik tut. Nitrit gilt im Süßwasser als hochgiftig für Fische und niedere Tiere. Im Meerwasser ist verliert Nitrit zwar nicht an Giftigkeit, aber es kommt nicht so sehr zur Geltung. Aber warum? Im Prinzip ist es ganz einfach. Im Meerwasser gibt es eine große Menge Chlorid-Ionen, welche die Nitrit-Ionen vor unseren Tieren abschirmen. Alle Nitrit-Ionen gelangen somit viel, viel langsamer in den Kreislauf der Tiere. So kommt es nicht zu so schnellen und schlagartigen Vergiftungserscheinungen wie man es aus Süßwasseraquarien kennt. Langfristig macht es trotzdem Sinn seinen Wert auf „nicht nachweisbar“ oder „0“ zu halten um immer einen Puffer für einen plötzlichen Anstieg zu bewahren. Falls das Nitrit zwischendurch einmal in die Bereiche 0.01-0.05 Schwanken sollte, schadet es Ihren Tieren nicht. Ganz im Gegenteil, die Korallen werden die Stickstoffquelle gerne als Nahrung aufnehmen.
Optimaler Wert: 0 – 0.09 mg/L

Der NO3 Wert – Nitrat

Der Nitrat Wert spielt für unsere Fische und niederen Tiere im Meerwasser kaum eine Rolle. Für die Korallen bzw. die ansässigen Symbiosealgen dient Nitrat als Baustein für den Aufbau von Enzymen, welche über Aminosäuren Eiweiße produzieren. Niedrige Nitratwerte bedeuten somit hungernde Symbiosealgen, während hohe Nitratwerte zu übersättigten Symbiosealgen führen. Den Effekt sieht man deutlich an der Farbe der Tiere. Sind die Symbiosalgen übersättigt und stark vermehrt, verdecken Sie die natürliche Grundfarbe der Koralle mit einem matschigen Braunton. Dieser Effekt ist umkehrbar und je nach Korallenart kann eine komplette Umfärbung innerhalb von 1-2 Wochen stattfinden. Da wir Aquarianer eigentlich alle bunte und gesunde Korallen möchten, versuchen wir die Nitratwerte in einem niedrigen Bereich zu halten. Das ist im übrigen auch sehr nahe an den natürlichen Bedingungen, denn Riffe sind trotz hohem Fischaufkommen eine Nährstoffwüste. Niedrige No3 Werte können das Wachstum von Weich- und Lederkorallen hemmen, da nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung stehen. Hohe Werte können die Kalzifikation von Steinkorallen hemmen, was wiederum das Wachstum einschränkt. Viel wichtiger als die Höhe des Nitratwerts ist die Stabilität – versuchen Sie jeden Tag die gleiche Menge Futter zuzugeben und kontrollieren Sie bei neuem Besatz von Verbrauchern (Korallen) oder Nährstofflieferanten (Fische, niedere Tiere, „Fresser“) die Werte erneut.
Optimaler Wert für Weichkorallen: 10-15 mg/L
Optimaler Wert für Steinkorallen: 3-10 mg/L

Der PO4 Wert – Phosphat

Der Phosphat Wert spielt im Meerwasseraquarium einen entscheidenden Faktor. Phosphat bedeutet Leben. Ohne Phosphat kann ein Meerwasseraquarium nicht funktionieren. Leider sind die auf dem Markt erhältlichen Tests nicht sonderlich genau, oder die Farbkarten sind subjektiv schwer ablesbar. Trotzdem sollten Sie den Wert stets im Auge behalten und auch regelmäßig testen. Ein Phosphatmangel kann sich durch das weiß werden einer Steinkoralle von der Basis aus zeigen. Die Koralle „frisst“ sich selber auf um nicht zu verhungern. In solchen Fällen sieht der obere Teil oftmals sehr gesund aus, es gibt eine volle Polypenexpansion (Hunger!) aber kein Wachstum. Bei Weichkorallen zeigt sich ein geringer Phosphatwert oft durch ein schlechtes Polypenbild. Oftmals sind die Korallen auch komplett zusammengezogen.
Optimaler Wert: 0.04 – 0.1 mg/L

Die Metall und Karbonatliste

Der KH Wert – Karbonathärte

Die Karbonhärte ist vielleicht eine der wichtigsten Werte im Meerwasseraquarium. Ohne einen stabilen kH-Wert um 7.7 öffnen sich viele Korallen nicht richtig, lösen ihr Gewebe ab oder verweigern das Wachstum. Spezielle Korallen wie Blasenkorallen, welche zu den LPS Korallen gehören, reagieren schon äußerst empfindlich auf kH-Wert Schwankungen um ca. 1° dH. Das Resultat ist oft ein leeres Kalkskelett und die Degeneration kann innerhalb von Stunden stattfinden. Außerdem puffert der kH-Wert unseren pH-Wert. Ohne eine stabil hohe Karbonhärte schwankt der pH-Wert extrem und kann auf Dauer Fische und deren innere Organe schädigen.
Optimaler Wert: 7.5 – 8.5 dkH

Der Mg Wert – Magnesium

Der Magnesiumwert steht in dieser Liste bewusst vor dem Ca-Wert. Oftmals ist der Magnesium Verbrauch nicht so stark wie der Calcium Verbrauch – daher wird dieses Element oftmals etwas stiefmütterlich behandelt. Magnesiummangel kann allerdings auch drastische Folgen für das Meerwasserbiotop haben. Das Ausbleichen von Kalkrotalgen und Korallen sowie vermindertes Wachstum und Gewebeverlust von den Spitzen her können ein Anzeichen für zu niedrige Werte sein. Der Magnesiumwert sollte immer vor dem Calcium Wert angepasst werden.
Optimaler Wert: 1300-1599 mg/L

Der Ca Wert – Calcium

Der Calciumwert gilt neben der Karbonathärte als 2. wichtigster Wert für Steinkorallen. Und das nicht ohne Grund. Korallen sind eine konstante Konzentration von Calcium im umgebenden Wasser gewohnt, die in etwa der Konzentration innerhalb der Koralle entspricht. Weichen beide Werte stark voneinander ab, kommt es zu verlangsamten Wuchs. Bei sehr geringen Werten kann es auch zu Gewebeauflösungen kommen. Ein weiteres Anzeichen für einen falschen Calcium-Wert kann ein schwierig zu haltender kH-Wert sein.
Optimaler Wert: 420-460 mg/L

Damit haben wir zwar längst nicht alle für uns messbaren Werte behandelt, aber die Grundlegenden Messungen abgedeckt. Sind diese Werte in Ihrem Aquarium stabil, wird man es ihren Tieren in der Regel auch positiv ansehen. Um die Werte stabil zu halten, benötigt man einen Plan für die Zuführung von Elementen. Das kann entweder ein ganzes Versorgungssystem sein oder man dosiert alles einzeln nach. Per Hand oder per Dosierpumpe. Bei Aquarien mit geringem Korallenbesatz und Verbrauch kann es reichen, mit regelmäßigen Wasserwechseln das Becken zu einem guten und stabilen Milieu führen. Auf die Versorgungssysteme gehen wir in unseren folgenden Beiträgen detaillierter ein.
Wie sie schnell merken werden, gibt es Arten sein Salzwasseraquarium zu versorgen, bei denen nicht mehr als 20min Zeitaufwand pro Woche anfallen. Das ist deutlich weniger als bei jedem anderen Haustier wie Katze, Hund, Hamster oder Reptilien. Ist die Meerwasseraquaristik also kompliziert und zeitaufwändig? Von unserer Seite gibt es ein ganz klares „Nein!“

Übersicht der Wasserwerte

Elemente / Nährstoffe NO2 NO3 PO4 KH Mg Ca
Optimaler Wert für das Meerwasseraquarium 0 – 0.09 3 – 15 0.04 – 0.1 7.5 – 8.5 1300 – 1599 420 – 460

 

Atakan Sever

Über Atakan Sever

Schon vom Kindesalter an ist Atakan Sever ein begeisterter Vollblut-Aquarianer, seit daher studiert er die Aquaristik mit großem Interesse. Seine Leidenschaft machte er schon früh zum Beruf und vor 10 Jahren erfüllte er sich den Traum von einem eigenen Aquaristikfachhandel, seit dem hat er viele hunderte Meerwasser und Süßwasseraquarien mit vollem Einsatz eingerichtet. Seinen Betrieb führt Atakan Sever zusammen mit seinem Aqua Tropica- Team mit Herz und Seele.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.