Das Nano-Riff – Teil 2 – Korallen und Lebendgestein

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung von: Das Nano-Riff – Teil 1 – Allgemeines und Besatz

Korallen:

Grundsätzlich lässt sich hier nur sehr schwer eingrenzen. Da hier mit der neuen Technik die uns zur Verfügung steht so gut wie alles möglich ist. Langsam wachsende LPS-Korallen bieten sich für Nano-Riffe sehr gut an. Einige sind z.B. Chalice-Korallen, Lobophyllia, Duncanopsammia axifuga, Caulastrea, etc., ist alles möglich. LPS-Korallen sind hier sehr zu empfehlen, da diese Fehler und hohe Nährwerte besser vertragen als andere Korallenarten. Zudem wachsen diese recht langsam, und sind meist sehr schön anzusehen.

Diese Empfehlung soll allerdings nicht so verstanden werden, dass andere Korallenarten nicht im Nano-Riff funktionieren. Das Gegenteil ist der Fall, da auch Scheibenanemonen, Krustenanemonen, etc. sehr willkommene Pfleglinge sind. Nur sollte man sich bewusst darüber sein, dass sich diese Korallenarten wesentlich schneller ausbreiten und andere Korallen verdrängen und abschatten können. Das gleiche gilt für Weichkorallen.

Neueste Erkenntnisse lassen zudem annehmen, dass je nach vorherrschender Art Stoffe ins Wasser gegeben werden. Soll bedeuten, wenn die vorherrschende Art Weichkorallen beinhaltet, geben diese Wachstumshämmer ins Wasser ab um ihr Territorium zu erweitern und Chancen zu erhöhen. Ist die vorherrschende Art LPS, so werden vermutlich mehr Nesselstoffe an das Wasser abgegeben. Man kann also sagen die Lebensdynamik ist einem ständigen Kampf unterlegen. Da fällt mir eine Redensart ein: “Jedem Tierchen sein Pläsierchen“. Also soll das Vergnügen lange halten, soll sich jede Koralle (wie sie will) ausbreiten können. Denn die Freude hält nicht lange, wenn sich die benachbarten Korallen sofort vernesseln. Das ist das schwerste an der Meerwasser-Aquaristik, auch mal nein zu sagen, wenn etwas schönes in der Auslage liegt, da zu wenig Platz vorhanden ist.

Lebendgestein:

Das wichtigste in einem Nano-Riff ist jedoch das Lebendgestein. Ich zu meinem Teil bin stark davon überzeugt, dass eine sehr gute Qualität des Lebensgesteins vorhanden sein muss. Zudem sollten die Steine sehr stark bewachsen sein, ja sogar regelrecht pelzig und nicht ganz so sauber. So behandeln viele Händler, neu eingetroffenes Lebendgestein mit einem Meerwasser Sprühnebel. Dieser soll mit der Zeit das Gestein vom Sediment reinigen. Ich halte dies für eher kontraproduktiv, da wichtige Bakterienstämme, Korallen- und höhere Algensporen weggespült werden. Natürlich ist es eventuell von Vorteil diese Methode anzuwenden, wenn es um die Reduzierung blinder Passagiere geht. Dennoch sollte eine relativ große Artenvielfalt, insbesondere der Kleinstorganismen, bevorzugt werden. Dahingehend tendiere ich eher zu im Meerwasser lagerndes Lebendgestein. Die logische Schlussfolgerung ist, je länger derartiges Lebendgestein in Kontakt mit der Luft kommt, desto höher der Verlust an wichtigen Mikroorganismen.

Man sollte sich in diesem Sinne merken, dass die Vielfalt an Bakterien die sich auf einem Lebendgestein befinden durch nichts zu ersetzen sind. Gerade dieser erste Schritt ist in einem geschlossenen System existenziell für eine stabile und erfolgreiche Entwicklung und erweist sich besonders in der Einlaufphase als nützlich. Käufliche, wenn auch gute Bakterienstarter, decken diese Bandbreite nicht ab.

Ebenfalls sehr wichtig ist die Menge Lebendgestein richtig zu kalkulieren. In meiner 7 jährigen Erfahrung mit Nano-Meerwasseraquarien, hat es sich immer ausgezahlt sehr viel Lebendgestein in einem System einzusetzen. Beispielweise in einem 60 Liter Dennerle Marinus ca. 9 kg. So hat man neben dem Effekt der Belebung und Filterung, viele Nischen und interessante Ecken in denen nicht überall Licht hindurch kommt. Dies ist sehr wichtig, da sich einige Arten wie Schwämme, Seefedern und anderes in Dunkelbereich entwickeln. Zudem werden wichtige Rückzugsbereiche für kleine Fische und Wirbellose geschaffen.

Über Timo

Timo betreibt die professionelle Aquaristik bereits seit 13 Jahren und hat umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Aquascaping und Nano-Meeresaquaristik sammeln können. Besonders kleine und technisch umfangreiche, schwer umsetzbare Systeme finden hier sein bevorzugtes Interesse.

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